Wenn schon, denn schon?!

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Als ich mich näher mit der offenen Beziehungsform beschäftigte, sind mir die vielen Regeln aufgefallen, die Paare tendenziell vor der Öffnung ihrer Beziehung vereinbaren. Genauso ist mir aufgefallen, dass im Laufe einer offenen Beziehung immer mehr Regeln nachverhandelt oder sogar abgeschafft werden.

Diese Tendenz spiegelt die Dynamiken, die bei der Öffnung von Beziehungen einsetzen. Aus meiner Sicht sollte sich jedes Paar vor Augen führen, dass die Regeln, die insbesondere in der Anfangsphase der Öffnung Sicherheit und Komfort geben sollen, sich mit zunehmender Dauer stark verändern werden.

Paare, die ihre Beziehung öffnen wollen, sollten die Möglichkeit mit betrachten, ohne (viele) Regeln auszukommen. Denn insbesondere Regeln in dem dynamischen Feld offener Beziehungen können nur eine Pseudo- Sicherheit geben. Sie werden aufgrund der Kraft, die Sex entfalten kann, umso häufiger gebrochen, desto restriktiver sie vereinbart sind. Zwar gibt es auch in anderen Beziehungsformen keine hundertprozentige Sicherheit, dass Regeln eingehalten werden. Doch im Vergleich zur offenen Beziehung sind sie deutlich statischer und müssen kaum nachverhandelt werden. Im Übrigen führt das Nachverhandeln von Regeln in offenen Beziehungen überwiegend dazu, diese sukzessive zu lockern oder abzuschaffen, also die Selbstverpflichtungen der Partner zu verringern.

Daher hat sich mir die Frage gestellt, ob die Öffnung einer Beziehung nicht gleich “voll und ganz” erfolgen sollte, sodass sich beide Partner von Anfang an die als so wichtig betrachtete Freiheit schenken, erfüllende sexuelle Begegnungen mit anderen führen zu “dürfen”. Dazu gehört meiner Ansicht auch, dass sich die Erstpartner die Erlebnisse mit Sexpartnern gegenseitig erzählen. Denn wesentliches Merkmal einer Beziehung ist ja gerade, dass wir unserem (Erst-) Partner auch an unserer außerhalb der Beziehung verbrachten Zeit teilhaben lassen. Wenn sich beide Erstpartnern alle Freizeiten einräumen und sich teilhaben lassen an ihren Erlebnissen, dann werden beide (gemeinsam) erfahren, wohin sich ihre Beziehung entwickeln will. Offenheit sollte konsequenterweise auch diese Offenheit umfassen. Wenn schon, denn schon!

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